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Was es zum Schutz des Bargteheider Moores braucht

 

Bei strahlendem Sonnenschein und knackigen drei Grad plus waren am Sonnabend Vormittag (11.1.2020) gut 130 Leute zum Neujahrsspaziergang ins Bargteheider Moor gekommen. Der Ortsverband der Grünen hatte eingeladen. Als Referenten waren Ingo Hartung, der ein Buch über das Moor geschrieben hat, und Philipp Meinecke von der Stiftung Naturschutz gekommen. Nach einem kurzen Weg entlang der L89 ging es über den Feldweg zum sogenannten „Rackerberg“, auf dem bis 1975 Müll entsorgt wurde, von dort weiter zunächst nach Westen um den Berg herum zur Kernfläche des Moores, dann noch einmal zurück und rüber zur Ostseite. Gut zwei Stunden war die Gruppe in einer teils verwunschen schönen Landschaft unterwegs, begleitet vom Warnruf der Kraniche.

Ingo Hartung erläuterte den Spaziergänger*innen Interessantes rund um das Moor, die Müllhalde und was aus seiner Sicht getan werden müsste, um auch das Bargteheider Moor wieder in einen vernässten Zustand zu versetzen. So sollten etwa Gräben nicht weiter begradigt werden sondern wieder mäandern können wie früher. Einige Flächen müssten von Rohrweiden und Weißdorn entbuscht werden. An anderer Stelle konnte Hartung zeigen, wie Aufforstungsversuche misslungen sind. Allgemeines Erstaunen gab es darüber, dass diese Landschaft bislang keinerlei Schutzstatus hat.

Auch Philipp Meinecke von der Stiftung Naturschutz machte deutlich, wie wichtig und effektiv der Schutz und die Pflege von Mooren für den Klimaschutz ist. Er berichtete von der Arbeit der Stiftung, vom Projekt „MoorFutures“ und von der Renaturierung von Mooren. „Dafür stehen in Schleswig-Holstein erhebliche Fördermittel zur Verfügung, die sollte Bargteheide in Anspruch nehmen“, so Ruth Kastner, Fraktionsvorsitzende der Grünen.

„Bevor jedoch Maßnahmen zur Vernässung des Bargteheider Moores in Angriff genommen werden, braucht es ein Moor-Gutachten“, beschreibt Kastner den nächsten Schritt. Wenn dies vorliege, lasse sich beurteilen, welche Eingriffe angebracht wären. Vor allem aber wäre zu klären, wie die grundbesitzenden Landwirte in dieses Projekt eingebunden werden können.

„Die Bargteheider Grünen werden die notwendigen Schritte zum Schutz und zur möglichen Vernässung des Bargteheider Moores in den politischen Gremien der Stadt voranbringen, hoffentlich weiterhin gemeinsam mit CDU, SPD und WfB“, so Kastner. 

Ruth Kastner

 

von Ingo Hartung:

 

Empfohlene Maßnahmen zur Vernässung des Bargteheider Moores  

Nachfolgend die erforderlichen Maßnahmen, um zumindest den Erhaltungszustand der ökologisch sensiblen Kernfläche des „Bargteheider Moores“ in der Funktion eines effektiven CO-2  Speichers zu gewähren:  

1. Die zur Entwässerung der Kernfläche - einem konvex empor gewachsenem „Bult - Schlenken – Komplex“ - eingerichteten Abflussrinnen hin zur Fließstrecke des Hauptgrabens sind zurückzubauen. Ebenso das Verfüllen des Entwässerungsgrabens an der süd-westlichen Peripherie des Moorkörpers, so dass empor steigendes Grundwasser sowie Niederschläge (Oberflächenwasser) die Torf-Akkumulation wieder aufbauen und voran treiben können. Wiedervernässung des Kernareals ist unerlässlich!  

2. Schlankseggen und Pfeifengras-Stadien in der Krautschicht erobern zunehmend als Trockenheitsanzeiger den phytologischen Moorcharakter. Vernässung wird diese Sukzession von selbst zurückdrängen.  Der voranschreitenden Verbuschung durch Zweigriffligen Weißdorn muss mechanisch begegnet werden, um den Konkurrenzdruck im Vegetations-Schichtenverhältnis abzubauen, auch um Niederschläge einer Transpiration innerhalb der Kernfläche zu verhindern. Die mechanische Entbuschung darf nur von der Westseite vorgenommen werden, um das Betreten der Bulte und Schlenken zu vermeiden. Das dabei anfallende Schnittgut ist vollständig abzuräumen!  

3. Die Abflussspenden des Hauptgrabens sind auf Grund minimalen Flurniveaus unerheblich, so dass sich ein zumindest leicht mäandrierender naturnaher Rückbau rechtfertigt (Abflussniveau 10 cm auf 500 m begradigte Fließstrecke).  Für die temporären Überflutungen der extensiv bewirtschafteten Grünlandflächen ist der zu gering gehaltene Querschnitt der Abflussmengen im Unterbau der L 89 vor Hammoor verantwortlich, weil hier das hydrologische Entwässerungsnetz aus dem Beimoorwald, der Kalkkuhle des Todendorfer Hochmoors und aus dem Bargteheider Moor aufeinander treffen.    

Auf diese drei Maßnahmen, die minimalen Zeitaufwand und ein geringfügiges Kostenvolumen beanspruchen würden, muss ein Sicherungsstatus zum Naturschutzgebiet erfolgen. Von äußerster Wichtigkeit ist eine tägliche Kontrolle der durchzuführenden Maßnahmen vor Ort, um Schäden der Eingriffe im Vorwege auszuschließen.  

- Ingo Hartung

 

 Die Ausgleichsagentur Schleswig Holstein, bei der man CO2 Kompensationszertifikate, die dem Moorschutz zu Gute kommen, erwerben kann, finden Sie hier:

moorfutures-schleswig-holstein.de



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