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Politikerwort: Viel Frust bei der Digitalisierung im Schulbereich

Seit Wochen befinden wir uns im zweiten Lockdown. Neben Restaurants, Einzelhändlern und vielen Dienstleistern sind vor allem Kinder und Jugendliche betroffen – und mit ihnen Erzieher*innen und Lehrkräfte. Waren während der Schulschließungen im Frühjahr die meisten Eltern noch relativ verständnisvoll, hagelt es inzwischen Kritik. Warum kommen die Aufgaben fürs Home-Schooling so schleppend, warum klappt das mit den Videokonferenzen nicht, und wieso kann nicht der gesamte Unterricht digital laufen? Ganz anders dagegen die Botschaft aus dem Bildungsministerium, wo es heißt: „Unsere ersten Erfahrungen aus den Distanzlern-Übungstagen sind positiv“.
Was machen die Lehrer*innen den ganzen Tag? Wir haben eine Grundschullehrerin gefragt. Sie sieht vor allem drei Gründe für die Misere.  

1. Bei den Plattformen des Landes, die technisch einigermaßen laufen, gibt es große Probleme hinsichtlich der Nutzung. Faktisch war es nur im November möglich, die Schüler*innen und  Lehrkräfte mit den Plattformen vertraut zu machen. Gerade Grundschüler*innen bräuchten eine fundierte Einführung in ein System, das kompliziert aufgebaut ist und mit Begriffen wie "Dashboard" und "Ressourcen" arbeitet.

2. Die Ausstattung der Lehrkräfte mit Technik, mit Know-How, mit Unterstützung ist mangelhaft. Die angekündigten Lehrer-Laptops sind noch nicht da. Lehrkräfte bereiten ihren Unterricht mit privaten Geräten vor, arbeiten teils mit vier verschiedenen Geräten, weil nicht alle Anwendungen überall gut laufen. Auch der Wissensstand ist unterschiedlich. Es gibt nur kurze Online-Einführungen, die Kurse sind schnell ausgebucht. Schleswig-Holstein setzt auf Multiplikation, d.h. einzelne Lehrkräfte werden fortgebildet, geben ihr Wissen im Kollegium weiter und übernehmen obendrein noch die Admin-Aufgaben. Lehrkräfte leisten diese Arbeit in ihrer Freizeit. Bis Neuerungen im Unterricht ankommen, dauert es entsprechend lange.

3. Beim Distanzunterricht müssen Unterrichtsinhalte so aufbereitet werden, dass jeder Schüler sie auch ohne Anwesenheit der Lehrkraft versteht. Es gibt eine unüberschaubare Anzahl an LernApps , interaktivem Material und Erklärvideos. Die wenigsten Angebote sind erprobt oder bewertet. Aus diesem Gemischtwarenladen suchen sich Lehrkräfte das passende Angebot für ihre Schüler*innen.  Nachdem das Land nach datenschutzrechtlicher Prüfung den Schulen jetzt von der Nutzung gängiger Plattformen abgeraten hat, mussten gerade erarbeitete Konzepte zum Distanzlernen wieder verworfen werden. Die Schulen mussten sich komplett neu orientieren. Noch schwieriger wird es, wenn Kinder keinen Zugang zu digitalen Medien haben oder die Eltern der Nutzung nicht zustimmen.

Diese Umstände sorgen für Frust auf allen Seiten. Hinzu kommt das viele Hin und Her aus dem Kieler Bildungsministerium. Alle Beteiligten müssen sich jetzt zusammenraufen, praktikable Lösungen für das Home-Schooling finden und umsetzen. Das Thema „Digitalisierung im Schulbereich“ muss endlich als entscheidendes Zukunftsthema erkannt und mit höchster Priorität behandelt werden.

Claudia MacArthur, Bürgerliches Mitglied der Bargteheider Grünen im Ausschuss Bildung, Jugend, Sport

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