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Bitte absteigen?

Warum das Fahrrad noch immer keinen Platz hat

Radfahren steht für moderne, klimafreundliche Mobilität. Doch wer im Kreis Stormarn mit dem Rad unterwegs ist, stellt ernüchtert fest: Zwischen politischen Versprechen und tatsächlichem Handeln klafft eine immer größere Lücke. Das Fahrrad wird vielerorts noch immer nicht selbstverständlich als gleichberechtigtes Verkehrsmittel mitgedacht. Besonders deutlich wird das an den Schildern mit dem Hinweis „unzureichendes Lichtraumprofil“ und dem Zusatz „Radfahrer absteigen“, die inzwischen an vielen Stellen dauerhaft stehen. Dauerhaft – nicht vorübergehend. Und teilweise direkt neben dem Schild „Radfahrer frei“. Das ist nicht nur widersprüchlich, es ist ein Offenbarungseid: Statt Radwege freizuhalten, verweist man Radfahrende einfach aus dem Weg. Dass zuvor vorhandene Freigabeschilder abgehängt wurden, macht das Bild komplett. So sieht keine ernst gemeinte Verkehrspolitik aus – so sieht Verdrängung aus.

Der Landesbetrieb Straßenbau und Verkehr (LBV) verweist zur Rechtfertigung auf fehlende personelle Kapazitäten für den Rückschnitt von Sträuchern und Bäumen. Doch dieses Argument überzeugt nicht. Für das Aufstellen der Absteige-Schilder war offensichtlich Personal vorhanden. Fehlende Kapazitäten können nicht dauerhaft als Vorwand dienen, Radverkehr zu behindern. Wer Mobilität neu denken will, muss Radwege pflegen, sichern und das ganze Jahr über befahrbar halten. Der Radweg wird so zum Problem und nicht zur Lösung. Auch in Bargteheide zeigt sich, wie schwer manche Gremien mit der Förderung des Radverkehrs umgehen. Unser Antrag auf Fahrradpiktogramme im Tremsbütteler Weg wurde erst beschlossen, dann in der AG Mobilität sinnvoll erweitert – und die Erweiterung anschließend vom Ausschuss wieder einkassiert. Nicht wegen der Kosten, sondern weil man den Nutzen solcher Markierungen grundsätzlich infrage stellte. Das wirft die Frage auf, warum es überhaupt eine AG Mobilität gibt, wenn deren Ergebnisse ohne ernsthafte Prüfung abgelehnt werden. So entsteht kein Fortschritt – so entsteht Frust. Und das beschlossene Nahverkehrskonzept droht zum Papiertiger zu werden, wenn es in der Schublade verstaubt statt umgesetzt zu werden. Radfahren ist essenzieller Bestandteil moderner Alltagsmobilität – leise, gesund, platzsparend und klimafreundlich. Es verdient Priorität, Sicherheit und politischen Rückhalt. Wer die Verkehrswende ernst meint, muss endlich aufhören, Radfahrende durch Schilder zum Absteigen zu drängen – und damit beginnen, ihnen den Weg wirklich freizumachen. Die vorgeschlagenen Fahrradpiktogramme wären ein kleiner, aber längst überfälliger Schritt gewesen.

Wir bleiben dran.



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